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Geschichte der Sektion Ju-Jutsu im LJC

Die Anfänge

Ju-Jutsu Die Anfänge des Ju-Jutsu im LJC sind eng verknüpft mit dem Beginn des Ju-Jutsu in Deutschland. Vertreter der klassischen Budo-Disziplinen, hauptsächlich vom Aikido, Judo, Jiu-Jitsu und Karate, stellten damals die wirkungsvollsten Techniken aus ihrer jeweiligen Disziplin zusammen und erarbeiten mit diesen Techniken eine neue und moderne Selbstverteidigungsdisziplin. Sie nannten diese Selbstverteidigung Ju-Jutsu - zur Unterscheidung vom klassischen Jiu-Jitsu.

Um möglichst schnell Dan-Träger als Multiplikatoren zur Verfügung zu haben, wurden sogenannte Anerkennungsprüfungen durchgeführt. Im Rahmen dieser Prüfungen konnten sich Meister der verschiedenen eingeflossenen Stile der Prüfung auf ihren jeweiligen Grad unterziehen. Diese Dan-Träger vermittelten in der Anfangszeit die neue Ju-Jutsu-Selbstverteidigung. Es dauerte nur wenige Monate, und es erschienen am 18. April 1970 auch schon die ersten Mitglieder des Lübecker Judo Club in Hannover zu einer solchen Prüfung. Unter anderem traten Hans-Hermann Dierck, Helmut Palka, Jürgen Wedding und Hansjoachim Meier an und erreichten alle den 2.Dan-Grad oder höher.

Im Juni 1970 absolvierte dann auch Manfred Feuchthofen gemeinsam mit Peter Nehls (zum 4.Dan) und Heinrich Conrads (zum 2.Dan) seine Anerkennungsprüfung zum 1.Dan. Schon vier Jahre zuvor hatte er mit Jiu-Jitsu begonnen, und nun reizte auch ihn dieser neue Stil. Da er dazu einen gültigen Judo-Paß benötigte, trat er kurzerhand in den LJC ein, obwohl er damals noch weit entfernt wohnte und deshalb für die ersten Jahre noch gar nicht bei uns trainieren konnte.

Hans-Hermann Dierck seinerseits unterrichtete zwar bereits Ju-Jutsu, dies aber hauptsächlich bei der Polizei und beim BGS. So kam es, dass ein ganz anderer die erste zentrale Figur im LJC für das neue Ju-Jutsu wurde: Helmut Palka, BGS-Angehöriger, mit dem 3.Dan Ju-Jutsu aus der Anerkennungsprüfung in Hannover zurückgekommen und fast doppelt so alt wie die meisten seiner Schützlinge.

Los ging es mit einer Einführungsveranstaltung in der Frankeschule, auf der Lothar Müller 50 Neugierigen den neuen Trainer präsentierte. Von Anfang an vermittelte Helmut Palka Begeisterung für den neuen Sport. Zwei bis dreimal pro Woche lockte er ursprünglich auch aus anderen Disziplinen kommende Budoka auf die Matte und begann bald, die ersten Landeslehrgänge in Schleswig-Holstein zu initiieren. Durch seine Vorreiterrolle wurde der LJC schnell zur Hochburg des Ju-Jutsu im Norden.

Lehrgang in der Kalandschule mit Peter Nehls

Nachdem Helmut Palka aus dienstlichen Gründen Lübeck und den LJC verlassen musste, übernahmen seine Schüler Thomas Burdack, Ewald Schöning, Gerd Böckenhauer, Horst Gösch, Frank Böhnke und Bodo Ziehnert das Training.

Gerd Böckenhauer auf einem Lehrgang in Malente

Manfred Feuchthofen

Neuen Schwung brachte dann auch noch mal Manfred Feuchthofen, der ab 1975 als Trainer fungierte. Schon damals war er für seine technische Brillanz bekannt, so gewann er 1979 zusammen mit Frank-Timo Lange den Europa-Cup in der "Freien Verteidigung", einer frühen Form des heutigen Duo-Systems.

Im Laufe der Jahre hat er eine ganze Reihe Meister hervorgebracht und durch seine langjährige Tätigkeit, auch für den Landes- und Bundesverband, das Ju-Jutsu nicht nur im Norden geprägt. Im Landesverband engagierte er sich in den Bereichen Lehre, Jugend, Prüfung und Frauen-Selbstverteidigung. Heute engagiert sich Manfred, mittlerweile 8.Dan Ju-Jutsu, neben der Leitung der Montagsgruppe für Anfänger und Fortgeschrittene insbesondere im Präventions- und Seniorensport auf Landes- und Bundesebene.

Monika und Lothar Glisovic

In den 1970er Jahren begannen auch die Karrieren zweier, später für den LJC und das Ju-Jutsu genauso wichtigen Ju-Jutsuka in der Gruppe unter der Leitung von Thomas Burdack. Lothar und Monika Glisovic suchten eine Budo-Disziplin, die sie gemeinsam ausüben konnten. Da Judo damals noch nach Geschlechtern getrennt trainiert wurde, kamen sie statt dessen zum Ju-Jutsu. Lothar Glisovic legte gleich ordentlich los und erhielt in wenigen Jahren den 2.Dan-Grad. Bei den Prüfungen konnte er zwei Kyu-Prüfungen überspringen. Monika Glisovic folgte schnell und erhielt ihren Schwarzgurt 1981.

Später betreuten sie unter anderem die Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Ju-Jutsu-Verbandes. Nach einigen Jahren Pause knüpfte Lothar im Frühjahr 2015 an sein früheres ehrenamtliches Engagement an und wurde 1. Vorsitzender des Schleswig-Holsteinischen Ju-Jutsu Verbandes.

Lothar Glisovic erwarb 1982 auf einem Turnier in Berlin erste Erfahrungen mit dem Ju-Jutsu-Wettkampf, damals wurde es noch Allkampf genannt und war ein ziemlich "wildes Schlagen und Treten". Indem er in seinem Dienst bei der Polizei von seinen Erfahrungen berichtete, hatte er einen Anteil an der damaligen Einführung des Ju-Jutsu bei der schleswig-holsteinischen Polizei.

Monika Glisovic übernahm schon als Braungurt eine eigene Gruppe, aus der unter anderem die späteren LJC-Trainer Jürgen Peters und Jens Dykow hervorgegangen ist. Die hohe Qualität der Ausbildung unter Monika und Lothar sowie unter Manfred zeichnete den LJC von Anfang an aus. Nicht umsonst ist fast immer ein LJC-Schüler Prüfungsbester, wenn LJCer auf Landesprüfungen antreten.

Jens Dykow

Ende der 1990er übernahm Jens Dykow, mittlerweile 6.Dan, die Freitagsgruppe, die heute auf Techniktraining für Fortgeschrittene spezialisiert ist. Im Laufe der Jahre sind auch aus dieser Gruppe etliche Sportler hervorgegangen, die Dank Jens' technischer Präzision mit hervorragenden Leistungen ihre Dan-Prüfungen abgelegt haben.

Den Fußstapfen von Monika, Lothar und Manfred folgend war und ist Jens auch als Funktionär im Verein und auf Landes- und Bundesebene tätig. Spartenleiter im LJC, Vorsitzender, Presse- und Prüfungsreferent des SHJJV sind einige der von ihm übernommenen Ämter. 2015 wurde er zum Bundesprüfungsreferenten berufen. Von ihm stammen unter anderem das DJJV-Sportabzeichen und die heutige Fassung des Standardwerkes des DJJV, das "Ju-Jutsu 1x1".

Brazilian Jiu-Jitsu

Eine große Konstante im Ju-Jutsu-Training war in den 1990er bis Mitte der 2000er Jahre die Mittwochsgruppe von Jürgen Peters. Mitglieder aus dieser Gruppe haben viel für unseren Verein getan, insbesondere auch Volker Lehnen, der immer wieder seine Fachkenntnisse und Ausrüstung für Video- und Computerarbeiten zur Verfügung stellt.

Volker hat inzwischen seine alte Trainingszeit als Trainer übernommen und bereichert dort seither das Angebot des LJC um Techniken und Taktiken des BJJ.

Wettkampf

Eine positive Variante des dem LJC leidig bekannten Vereinswechselns, aus dem als Aderlaß des Vereins fast alle anderen Lübecker Budo-Vereine entstanden sind, hat sich mehrfach im Ju-Jutsu abgespielt. Es kamen größere Gruppen zu uns. So stieß im Jahre 1988 unter der Führung von Jörg Preuße eine Gruppe von Ju-Jutsuka zu uns, die sich hauptsächlich dem Ju-Jutsu-Wettkampf verschrieben hatte. Bereits kurz nach den ersten Erfahrungen mit den offenen Polizeimeisterschaften in Berlin, auf denen mittlerweile neben Lothar Glisovic auch Karl-Ludwig Tretau, Ernst Wackernagel und weitere teilgenommen hatten, hatte sich eine eigene Ju-Jutsu-Wettkampfgruppe im LJC gebildet. Zunächst wurde sie von Frank-Timo Lange und Bernd Leuchter betreut, dann übernahm Jörg Preuße 1988 die Verantwortung für unsere Kämpfer.

Unsere Wettkämpfer waren zu dem Zeitpunkt schon recht erfolgreich, unter anderem belegten Lothar Glisovic, Jürgen Peters und andere auf der ersten Landesmeisterschaft 1987 erste und zweite Plätze. Im selben Jahr gab es auch die ersten Deutschen Meisterschaften. Hier hatte einer der erfolgreichsten Lübecker Ju-Jutsuka seinen ersten großen Auftritt, Heinz Dorloff war in der Klasse bis 85 kg nicht zu schlagen und wurde Deutscher Meister.

Das folgende Jahr sollte eines der besten überhaupt für die Kampfmannschaft des LJC werden. Deutsche Meister wurden Ralf Thiem, Oliver Hennes, Claudia Rosin und Martina Seidel. Die Länderauswahlmannschaft, die 1988 hauptsächlich aus LJC-Mitgliedern bestand, errang den Länderpokal, und auf den Internationalen Deutschen Meisterschaften erkämpften sich Heinz Dorloff den dritten und Ralf Thiem den zweiten Platz.

Die folgenden Jahre gestalteten sich ähnlich erfolgreich. Heinz Dorloff, Oliver Hennes, Ralf Thiem und andere holten bis 1991 immer obere Plätze bei den nationalen und Internationalen Deutschen Meisterschaften. Besonders konstant und souverän war Martina Seidel, die es bis 1994 auf sechs nationale und internationale Titel brachte, dazu zwei zweite Plätze und einen dritten Platz.

LJC - Deutscher Mannschafts-Vizemeister 1991 Ein weiterer Höhepunkt der Wettkampfhistorie war der zweite Platz bei der Deutschen Meisterschaft der Vereinsmannschaften im Jahre 1991. Oliver Hennes, Daniel Pöhlke, Lothar Glisovic, Diethard Kaben, Bernd Leuchter, Carsten Zschiegner, Heinz Dorloff, Stephan Hein, Detlev Zawadzki und Ralph Thiem waren allerdings klar die bessere Mannschaft. In der Halle des Finalgegners wurden sie im Finale von den Kampfrichtern über alle Maßen übervorteilt. Die Fehlentscheidungen waren so offensichtlich, daß hinterher bei der Siegerehrung die siegreiche Heimmannschaft ausgepfiffen und die Mannschaft des LJC bejubelt wurde.

Bei der zweiten Generation der Wettkämpfer taten sich besonders Kerstin Böttcher und Muriel Heller hervor, die wiederholt Platzierungen bei nationalen und internationalen Titelkämpfen erringen konnten.

Nach ihrem Wechsel zum LJC begann für Bundeskaderathletin Seher Dumanli die Zeit der ganz großen Erfolge. Herausragend sind dabei der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft 2004, der Gewinn der Europameisterschaften 2005 und 2007, sowie des Europa-Cups 2006 und der Titel der Vizeweltmeisterin 2008.

Weitere Erfolge kamen durch Melanie Mehl, Tarita Lemsky und Syrene Senobio-Karwinski hinzu, die Deutsche bzw. Internationale Deutsche Meister werden konnten.

Und im Jahre 2013 war es dann endlich so weit, und der LJC konnte den ersten Weltmeistertitel seiner Vereinsgeschichte feiern: Jenny Grudnio wurde Jugendweltmeisterin.

Wettkampftrainer Jörg Preuße, mittlerweile 6.Dan Ju-Jutsu, hat als Landestrainer im SHJJV den Leistungssport im Land nachhaltig geprägt und formt zusammen mit der nach 30 Jahren immer noch verschworenen Gemeinschaft der Kampfmannschaft weiterhin Spitzenathleten im Ju-Jutsu Fighting.

Kinder und Jugendliche

Bis etwa 1989 wurde für Kinder im Ju-Jutsu keine Trainingsmöglichkeit angeboten. Dies begründete sich darin, daß einerseits die Kenntnis von Selbstverteidigungstechniken eine hohe Verantwortung in der Anwendung in einem Erstfall voraussetzt und andererseits ein Großteil der im Ju-Jutsu verwendeten Techniken ein hohes Maß an Sorgfalt gegenüber dem Trainingspartner erfordern. Deshalb herrschte zu dieser Zeit die Meinung vor, dass Kinder in einem Alter von bis zu etwa 10 Jahren dieser Verantwortung und Sorgfalt nicht in jedem Fall gerecht werden könnten. Ältere Jugendliche konnten damals aber durchaus bei den Erwachsenen mittrainieren.

In den neunziger Jahren begannen sich durch die Arbeit von Dirk Müller und Andrea Wicke erstmals eigene Kinder- und Jugendgruppen zu entwickeln. Später führten u.a. Gaby Leuchter, Manfred Feuchthofen und Maud Gdulla diese Arbeit fort und erhöhten den Mitgliederanteil an Kindern und Jugendlichen im Ju-Jutsu.

Die Nachfolge von Manfred trat 2014 Karina Schmidt an, die als Jugendreferentin des SHJJV landesweit häufig und gerne zu Lehrgängen eingeladen wird und mit einem enormen Schatz an Spielformen und didaktischen Methoden immer wieder Überraschungen und spannende Trainingseinheiten bereithält.

Fortschritt

Der Lübecker Judo Club ist ein Dojo, von dem immer wieder wichtige Fortschritte im deutschen Ju-Jutsu ausgegangen sind.

In jüngerer Zeit entstand zum Beispiel unter Federführung von Jens Dykow um 2005 im LJC das DJJV-Sportabzeichen und das JJ-Jugendsportabzeichen als völlig neues Breitensportangebot des Deutschen Ju-Jutsu Verbands. Einige der Bilder im Standard-Werk des Deutschen Ju-Jutsu Verbands, dem "Ju-Jutsu 1x1", sind im Dojo des LJC entstanden.

Manfred Feuchthofen, der schon viele Beiträge zu unserer Sportart geleistet hat, bot 2010 erstmals spezielle Kurse für Senioren an. Hierfür erarbeitete er neue Kursangebote, in denen er Bewegungs- und Ernährungskonzepte mit Selbstverteidigung zusammenbrachte und bisherige, damit auch Nicht-Sportler hohen Alters auf die Matte lockte.

Neben anderen haben die LJCer Jens Dykow, Manfred Feuchthofen und Jörg Preuße eine vollkommen neue Trainer-B-Ausbildung konzipiert, die dazu beitragen soll, Ju-Jutsu auch unter gesundheitssportlichen Aspekten zu lehren und zu betreiben.

Nach wie vor stellt der Verein eine Reihe von Vorstandsposten im Landes- und Bundesverband und gestaltet so das sportliche Geschehen auch über die Vereinsgrenzen hinweg aktiv mit, ebenso durch aktive Mitarbeit auf Bundesebene zum Beispiel der Redaktion des "Ju-Jutsu 1x1" oder in Technischen Arbeitstagungen zur Überarbeitung des Ju-Jutsu-Prüfungsprogramms.

Damit sind beste Voraussetzungen für andauernd höchste Qualität in der Ausbildung und Weiterentwicklung des Ju-Jutsu im Lübecker Judo Club gegeben.