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Geschichte des Lübecker Judo-Clubs

Die ersten Jahre

Judo in Schleswig-Holstein

Während der Besatzungszeit nach 1945 waren Vereine für Jiu-Jitsu und Judo sowie die Ausübung dieser Sportarten in Deutschland verboten. Trotzdem fanden sich einige Sportler, die im Verborgenen auf zusammengelegten Bettmatratzen trainierten. Einer dieser Sportler war der Kieler H. Pichelmann. Er versuchte mit einem Schreiben an die für Schleswig-Holstein zuständige Education Group der englischen Besatzung, die Erlaubnis für die Sportausübung zu erhalten. Leider wurde sein Antrag durch die englische Education Branch abgelehnt.

Übersetzung:
1. Die Frage der Überprüfung von Judo Clubs wurde mit dem regionalen Hauptquartier abgestimmt, das die Anweisung gegeben hat, daß solche Klubs weiterhin nach § 4 c Absatz 1 ECI Nr. 67 verboten sind.
2. Eine Anfrage hat gezeigt, daß in Düsseldorf einem Judolehrer die Erlaubnis erteilt wurde, zu unterrichten. Dies wurde unter der Vorstellung getan, daß zwischen Judo und Jiu Jitsu ein Unterschied besteht.
3. So weit uns bekannt ist, gibt es keine Judo Clubs in der Britischen Zone.
4. Wir werden Sie informieren, sollte sich eine Änderung in dieser Auffassung ergeben.



Auch Versuche dieses Verbot zu umgehen, wie z. B. die Gründung eines "Kieler Mattensportclubs", schlugen fehl. Am 8. September 1949 wurde schließlich dieses Verbot aufgehoben und in Kiel konnte am 1. November 1949 der "1. Kieler Judo-Club" wieder gegründet werden. Gleichzeitig legte Emil Richard aus Kiel den Grundstein zum Aufbau einer Sportorganisation in Norddeutschland und der Judo-Verband Schleswig-Holstein e. V. wurde schließlich am 16. August 1953 in Kiel gegründet. An dieser Versammlung nahmen sieben Vereine teil, fünf aus Kiel und jeweils einer aus Neumünster und Flensburg.

Zum Verständnis sei noch erwähnt, daß alle Budo-Sportarten bis zur Gründung der jeweiligen Landesverbände für Aikido, Jiu Jitsu, Ju Jutsu, Karate und Kendo durch den Judo-Verband Schleswig-Holstein e. V. betreut wurden. Erst seit 1994 ist der Judo-Verband ein Monoverband für Judo.

Die Gründung unseres Vereins

Im Dezember 1953 erschien eine kleine Anzeige in der Zeitung mit folgendem Text:

"Sonntag 13. Dez. 1953 von 10 - 12 Uhr in der Schwarzbunten
Vorführung und Vortrag über Judo, von Dr. Rabe, Berlin
Eintritt 0,50 DM"

Der Berliner Dr. Rabe (1. Dan) demonstrierte und erklärte Judo. Zu dieser Vorführung strömten viele Lübecker, 112 dieser Besucher trugen sich in eine ausgelegte Liste ein und bekundeten so ihr Interesse an der Gründung eines Judo-Vereins.

Am Ende dieser Veranstaltung und am 15. Dezember 1953 fand eine kurze Vorbesprechung zur Vorbereitung der Gründung eines Judo-Vereins statt. Der Justizvollzugsbeamte Georg Tietze lud dann zu der Gründungsversammlung unseres Vereins ein, die am 7. Januar 1954 in der Schwarzbunten stattfand. An dieser Versammlung nahmen 65 Mitglieder teil. Unter Anwesenheit und mit Hilfe des Sportwartes vom Turn- und Sportbund der Hansestadt Lübeck e. V. Paul Gareis wurde der Lübecker Judo-Club gegründet. Zum 1. Vorsitzenden wurde Georg Tietze, zum 2. Vorsitzender Herbert Bartilla, zum Kassenwart Richard Groß, zum Schriftführer Max Depke und zum Sportwart Karl-Heinz Grotzki gewählt. Karl Heinz Grotzki war auch der erste Trainer unseres Vereins.

Auf Vorschlag von Max Depke erhielt unser Verein den Namen "Lübecker Judo-Club".

Bis 1966 wurden alle Protokolle handschriftlich in einem gebundenen Buch mit eingedruckten Seitenzahlen verfaßt. Im Gründungsprotokoll können wir über den Vereinsnamen und die ersten Beiträge folgendes lesen:


Die Erstellung einer Satzung und die Abstimmung darüber wurde "aus Zeitmangel" zurückgestellt. Der Trainingsabend wurde auf donnerstags 19.00 Uhr in der Brockeschule festgelegt. Eine Matte besaß unser Verein zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Es wurden die Turnermatten der Schule benutzt und erst im April 1954 erhielten wir vom "Amt für Leibesübungen der Hansestadt Lübeck" die entsprechenden Mittel für eine Mattenplane (180,00 DM).

Der erste Judo-Verein in der Hansestadt Lübeck, aus dem sich dann in den Folgejahren ein Budo-Verein entwickeln sollte, war gegründet. Ohne finanzielle Mittel, nur motiviert von der eigenen Begeisterung für die damals in Deutschland noch weitgehend unbekannte Sportart Judo, wurde von den Vereinsgründern, den Vorstandsmitglie-dern und Trainern eine Fülle von Arbeit mit persönlichem Einsatz und zeitlichem Aufwand geleistet. Das Fehlen einer vereinseigenen Trainingsstätte forderte von allen ein Leben mit Provisorien und von den Verantwortlichen erfindungs-reiche Problemlösungen. Für diese Leistungen gilt unser besonderer Dank allen Mitgliedern der ersten Stunde.

Am 1. Februar 1954 wurde unser Verein im neu gegründeten Judo-Verband Schleswig-Holstein e. V. Mitglied. Im März 1954 nahmen Max Depke und Lothar Müller dann das erste Mal an der Tagung des Judo-Verbandes Schleswig-Holstein e. V. teil. Übrigens wurde Max Depke auf dieser Tagung zum Landesjugendwart gewählt und erhielt damit sein erstes Funktionärsamt in einem Sportverband. Die erste Vereinssatzung wurde auf einer Versammlung am 24. August 1954, beschlossen und danach zur Vereinseintragung beim Amtsgericht Lübeck hinterlegt. Diese Satzung wurde von Max Depke, Herbert Bartilla, Hans Mende, Lothar Müller, Siegfried Rünzel, Rolf Lühr und Heyno Ranck unterschrieben. Auf dieser Versammlung fand auch ein Wechsel des Vorstandes statt. 1. Vorsitzender wurde Max Depke, 2. Vorsitzender und Kassenwart Herbert Bartilla (sen.), Schriftführer Hans Mende und Sportwart Lothar Müller. Übrigens wurde auf dieser Versammlung auch beschlossen, Judo für weibliche Mitglieder anzubieten.

Beim Eintritt in den Verein erhielt jedes Mitglied einen Mitgliedsausweis, der noch bis etwa 1970 verwendet wurde. Auf der Rückseite des Ausweises wurden die bezahlten Beiträge quittiert. Wir erinnern uns, daß zur damaligen Zeit die Arbeitslöhne immer freitags noch in der sogenannten "Lohntüte" ausgezahlt wurden und der Besitz eines Bankkontos sehr selten war. Deshalb wurden auf den Mitgliederversammlungen zur Unterstützung des Kassenwartes auch sogenannte Kassierer gewählt. Die Vereinsbeiträge wurden nämlich an den Trainingsabenden bar bezahlt.

Die ersten Jahre

Im Oktober 1954 wurden im LJC die ersten Kyu-Prüfungen durchgeführt. Prüfer waren der erste Bundestrainer des Deutschen Judo Bundes Dr. Makoto Suzuki und der Trainer Hoffmann aus Hamburg. Am 15. April 1955 nahmen die Judoka des LJC erstmalig an den Landes-Einzelmeisterschaften teil. Der Lübecker Judo-Club konnte von den 18 Titeln 16 mit nach Hause nehmen und war damit erfolgreichster Verein.







Ostern 1956 stand eine gemeinsame Fahrt nach Paris auf dem Programm. Eine von Max Depke und Herbert Bartilla organisierte Reise mit einem Bus der LVG Travemünde, ging über Arnheim, Brüssel nach Paris. Ein Freundschaftskampf mit Judoka aus Paris fand statt. Mit Besichtigungen vieler Sehenswürdigkeiten und einer Kranzniederlegung am Grab des unbekannten Soldaten hinterließ diese Fahrt bei allen Teilnehmer einen tiefen Eindruck.

Durch die guten Beziehungen von Max Depke war es möglich, den Bundestrainer des DJB für einen dreiwöchigen Lehrgang zum LJC nach Lübeck zu holen. Da Dr. Makoto Suzuki Ende 1956 wieder nach Japan zurückkehrte, kam als neuer Bundestrainer Kokichi Nagaoka (Spezialist für Uchi-mata) zum DJB. Auch dieser Bundestrainer war sehr oft in den Jahren 1957 bis 1958 beim LJC zu Gast.

1957 knüpfte Max Depke Kontakte mit der Betriebssportgemeinschaft "Motor Albert Richter" in Halle an der Saale. Es wurde ein Freundschaftskampf in Halle durchgeführt. Bedingt durch organisatorische Schwierigkeiten gab es eine Heimfahrt mit Hindernissen. Da der Interzonenzug nicht mehr erreicht werden konnte, jagten die Sportfreunde des LJC mit 5 Taxen dem Zug hinterher. 3 Taxen erreichten dann mit Mühe und Not in Stendal den Zug. 2 Taxen blieben zunächst verschollen und landeten erst am nächsten Tag an der Grenze. Der Rückkampf fand in Lübeck statt und war für alle Beteiligten ein großes Erlebnis.

1958
vor einem Lehrgang
in der Kalandschule
Mit den nun geknüpften Beziehungen konnte die Mannschaft zu einem Freundschaftskampf nach Wittenberg fahren. 1957 fand dort die Begegnung mit der Betriebssportgemeinschaft "Chemie-Piesteritz" statt. 1958
Training auf dem
Schulhof der Kalandschule

Die erste Dan-Prüfung im LJC wurde am 14. März 1959 in Lübeck durchgeführt. Unter der Leitung von Bundestrainer Kurokawa (5. Dan), Emil Richard und Helmut Gehl aus Kiel sowie Fritz Nadler aus Hamburg bestanden den 1. Dan im Judo: Herbert Bartilla (sen.), Manfred Bung, Rolf Lühr, Dieter Pomrehn, Lothar Müller und Haymo Rank. Sechs neue Dan-Träger, und dann auch noch aus einem Verein, waren zu damaliger Zeit eine ungewöhnlich große Leistung. Bis in die achtziger Jahre war die Kalandschule unser Haupttrainingsdomizil.

"in Zivil": Lothar Müller (links),
Max Depke (Mitte), Herbert Bartilla (rechts)